Montag, 24. September 2012

Schlupfwespenbilanz und Apfelklarheit


„Frieden schaffen ohne Waffen“ war ja mein Motto in diesem Jahr. Staatsfeind Nummer Eins bislang auf der Parzelle: der Apfelwickler. Und so – Ihr erinnert Euch – hatte ich mich für den Einsatz von Schlupfwespen entschieden. Insgesamt 80.000 an der Zahl sollten mir beim Bekämpfen der fiesen Viecher helfen, die in den vier großen alten Apfelbäumen ihr Unwesen trieben.

Genau wie der Apfelwickler, der mal als Falter, mal als fetter Wurm daherkommt, ändern auch die Schlupfwespen ihren „Aggregatzustand“. Im Larvenstadium in handlichen kleinen Faltkärtchen verpackt und im Abstand von einigen Wochen per Post an die wartende Gärtnerin versendet, werden sie bald zu ausgewachsenen Trichogramma cacoeciae und fangen an, ihre Eier in die der ollen Apfelwickler zu legen.

Lange Rede, kurzer Sinn: hat es was gebracht, ständig in die Bäume zu krauchen und die Kärtchen auszutauschen? Ja! Wenn ich eine Quote angeben müsste, läge die bei 20 Prozent. Soll heißen, nicht alle Äpfel sind wurmfrei, aber fast. Und dafür, dass ich ausschließlich mit biologischen „Waffen“ vorgegangen bin, ist das völlig akzeptabel.

Im letzten Jahr, unserem ersten Apfelerntejahr auf der Parzelle, gab es keinen einzigen unbewohnten Apfel. Da jedem angeknabberten Apfel die Fruchtfäule auf den Fersen folgt, war die ganze Ernte vergammelt, ehe wir überhaupt einen reifen Apfel greifen und ihn vom Pomologen bestimmen lassen konnten.

Ein Besuch beim gestrigen Traditionsfest in den Späth’schen Baumschulen brachte nun die Auflösung. Zwei wundervolle alte Damen saßen mit den ältesten, jemals gesichteten Apfelbestimmungsbüchern auf der Bank, fühlten und rochen, schnippelten und verglichen. Darf ich vorstellen?

Der Edle: Croncel, französisch, 1896 durch die Baumschule
Baltet in Croncels bei Troyes in den Handel gebracht.
Im Weinviertel wurden viele Straßenbäume dieser Sorte
aufgefunden. Synonym: Glasapfel.
Der schönste auf der Parzelle und gleich zweimal vorhanden!

Der Rote: Kaiser Alexander, stammt aus Südrussland, in der
ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts (vor 1850) nach
Deutschland eingeführt. Soll vor allem wegen der Schönheit und
Größe baldige Bekanntheit und weite Verbreitung gefunden haben
 – bis auf meine Parzelle!

Vom Berliner nur Hasenkopp genannt: Finkenwerder Herbstprinz. 
Alte Apfelsorte von der Niederelbe, in den 1960er Jahren wichtiger 
Wirtschaftsapfel im Raum Hamburg, heute fast verschwunden.
Zufallssämling aus der großen Prinzenfamilie - sagten die Damen.

Und so stehen sie seit etwa 50 Jahren auf meiner Parzelle, erzählen sich Geschichten von früher und spendeten der Gärtnerin fleißig Äpfelchen in diesem Jahr, der Franzose, der Russe und der Berliner.



Kommentare:

  1. Liebe Dagmar,

    das finde ich ganz toll - erstens wie Du den Apfelwickler bekämpft hast und zweitens, dass Du so schöne alte Sorten in Deinem Garten hast. Die findet man heute ja kaum noch.

    Liebe Grüße
    Jutta

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  2. Danke, liebe Jutta,
    ich bin ja auch ganz entzückt! Aber mein Gärtchen wurde mal von einem Gärtnerehepaar angelegt, das dort auch 40 Jahre gegärtnert hat. Die haben sich bestimmt was dabei gedacht...
    Liebe Grüße, Dagmar

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  3. Hallo Dagmar,
    da habt ihr ja einen Apfel aus unserer Gegend auf eurer Parzelle :-) Mein Mann und ich wohnen ja sozusagen am Tor zum Alten Land, direkt an der Hamburger Grenze in einem Neubaugebiet namens "Apfelgarten". Jeder Bauherr bei uns ist gesetzlich dazu verpflichtet eine alte Apfelsorte von einer vorgegebenen Liste zu pflanzen, u.a. auch der "Finkenwerder Herbstprinz", den unsere Nachbarn haben. Wir selbst haben uns nun aber für den "Seestermüher Zitronenapfel" entschieden.
    Ich finde alte Apfelsorten ungemein faszinierend. Zum Glück sind sie so langsam wieder im Trend. Bei uns im Supermarkt bekommt man z.B. auch endlich wieder sortenreine Apfelsäfte von älteren Apfelsorten zu kaufen.
    Das mit den Schlupfwespen werde ich mir übrigens auch gleich mal für unser Bäumchen merken. Danke für den Tipp.
    Liebe Grüße, Anne

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    1. Liebe Anne, das ist ja mal ein sinnvolles Gesetz! Sehr schön! Und überhaupt: scheint ja eine tolle Gegend zu sein, wenn Ihr sogar sortenreinen Saft von alten Sorten bekommt. So was gibt es hier natürlich nicht. Aber im nächsten Jahr werde ich hoffentlich wieder ernten und dann geht die Reise ab zur Mosterei.
      Ich hatte immer gedacht der Herbstprinz ist ein Berliner, da er hier in den Gärten auch weit verbreitet ist, so kann man sich irren!
      Aber die Schlupfwespen kann ich nur empfehlen. Und wenn man nicht so große Bäume hat, lassen sich die Kärtchen auch prima anbringen.

      Viele liebe Grüße, Dagmar

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  4. Hi Dagmar,

    es ist ja spitze, dass deine kleinen Helferlein so gut für Ordnung gesorgt haben und so viele von euren Äpfeln unbewohnt sind ;)

    Lg Sandra

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    1. Liebe Sandra, ich freue mich auch sehr. Schließlich ist das sowas von ärgerlich, wenn man nix von der Ernte abkriegt... =)
      Liebe Grüße
      Dagmar

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  5. Hallo Dagmar,
    das freut mich aber, dass die Tierchen so gut gearbeitet haben.
    Sowas bestärkt einen in der Ansicht, dass es auch ohne Gift geht.
    VG
    Elke

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    1. Liebe Elke, schön, oder? Dabei war ich so skeptisch...

      Liebe Grüße
      Damgar

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  6. Hallo Dagmar,
    bei dir gehts aber international zu! Schön wenn das mit den Schlupfwespen geklappt hat und du richtig ernten konntest. Wir hatten in diesem Jahr leider weder Kirschen noch Äpfel. Lag wohl an der Witterung im Frühjahr.
    LG Dagmar

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  7. Liebe Dagmar, ja, oder? Hab ne echte Multikulti-Zelle. Dann drück ich Dir einfach mal die Daumen, vielleicht ist ja das Wetter im nächsten Jahr besser!
    Viele liebe Grüße, Dagmar

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  8. Wunderbar, zu wissen, mit wem man es zu tun hat. Ich finde auch, dass es sich bei dir gelohnt hat. Leider haben wir keine Äpfel, nur Zierzeug. Direkt am Wald ist es schwer.

    Sigrun

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  9. Hallo Dagmar,
    bei dir ist es für mich heute besonders interessant. In unserem Garten stehen auch etliche sehr alte Apfelbäume, deren Sortennamen wir nicht kennen. Auch der Apfelwickler ist uns nicht unbekannt.
    In den ersten drei Sommern sah die Apfelernte nicht gut aus. Die meisten Äpfel waren wurmig. Es blieben zwar noch genug gesunde Äfel übrig, aber schön war es nicht, jeden Tag faulende Äpfel aufzusammeln.
    In diesem Jahr sind alle Bäume praktisch madenfrei und wir kämpfen mit einer wahren Apfelschwemme. Bei unseren Nachbarn ist es genau so. Warum auf einmal der Apfelwickler einen großen Bogen um unseren Garten fliegt, genau wie um die angrenzenden Gärten, wissen wir nicht. Wir freuen uns einfach.
    Vor diesem Hintergrund kannst du dir sicher vorstellen, mir wie viel Interesse ich deinen Post lese. Vielen Dank dafür.
    Anette

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  10. Liebe Dagmar, die sehen ja herrlich aus. Ich hatte heuer auch ein paar Äpfel, aber viele wurden auch von Insekten angefressen.

    lg kathrin

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  11. Gratuliere dir zu diesen alten Sorten, das sind wirklich Schätze, die du da hast. 'den Finkenwerder Herbstprinzen' kenne ich auch aus meiner Kindheit in Niedersachsen, mein Vater brachte die Äpfel immer kistenweise von unterwegs mit, aber wir wohnten auch nicht weit von Herbstprinzs Heimat entfernt.
    Meine Lieblingsäpfel waren Glockenapfel, die erst im neuen Jahr nach einer gewissen Zeit der Lagerung so richtig schmeckten. Eigentlich sollte ich für den noch irgendwo ein plätzchen finden!
    Übrigens habe ich unseren die Früchte unseres Apfelbaum, der noch zu DDR Zeiten von unserem Vorgänger gepflanzt worden war, auch mal von den Damen bestimmen zu lassen, zweifele aber an der Richtigkeit des Ergebnisses, aber die Damen waren sich auch nicht sicher.
    Apfelwickler gab es hier auch das eine oder andere Jahr, diese Jahr allerdings nicht, dafür sind die Äpfel aber stippig...
    LG
    Sisah

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  12. Alte Apfelsorten - ein Riesenthema. Im Garten meiner Kindheit gab es "Berlepsch, James Grieve, Ontario, Goldparmäne". Leider finde ich die heute nicht mehr.

    Den Apfelwickler biologisch zu bekämpfen ist eine tolle Sache, der Erfolg ist ja auch nicht ausgeblieben.
    LG Charlotte.

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  13. Liebe Dagmar, das sieht nach Apfelschwemme aus... stehst du nun 24h in der Küche machst Apfelmus, getrocknete Äpfel, Apfelkuchen...? Die Erdbeermarmelade ist jedenfalls vertilgt und war lecker, hmm... sie durfte mit in die Niederlande.... ich hoffe es geht dir gut, wünsche dir schönste Herbsttage ohne viel Arbeit, drück dich Annette

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  14. liebe Dagmar, dien Blog habe ich leider auch viel zu wenig beachtet,und dann schreibst du mir so liebe Grüße zur Aufmunterung,
    das mit den Schlupfwespen gegen Apfelwicklern finde ich sehr interessant, wo kann man diese beziehen?
    Wunderbar, wie lesenswert du deine Apfelbestimmung beschreibst
    Frauke

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  15. wow - den Glasapfel hatten wir auch im Garten! Hab´ lang nichts mehr über ihn gehört.
    Da hast Du ja eine besondere Sorte!
    Viele Grüße von Renate

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  16. Oh, das gleiche hab ichheuer auch erlebt, was du oben beschreibst. Unsere jungen Apfelbäume haben letztes Jahr überhaupt erst das 1. mal getragen und zwar überreichlich un absolut gesunde Äpfel!
    Und jetzt kommts: heuer ein Baum nur 1 Apfel, der andere ein wenig mehr, aber durchweg alle Äpfel waren bewohnt und wie du schreibst, die Monilia ließ aucn icht lange auf sich warten. So konnten wir dieses Jahr nur sehr wenige Äpfel ernten, die immer gleich gegessen werden mussten, da sie sonst kaputt gegangen wären.
    Schade!
    Und wir hatten uns letztes Jahr schon Gedanken gemacht, wohin mit der kommenden Apfelflut ;-) War wohl nix!

    Du hast ja herrliche Apfelsorten! Was macht ihr damit? Lagern und saften? Einkochen?
    Hm, wär mal wieder Zeit für einen leckeren Apfelkuchen, denk ich, was meinst du?

    Ganz liebe Grüße Susi

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