Samstag, 2. Juni 2012

Ein Hoch auf Augusta!


Als ich als Gärtnerin antrat, hatte ich ein sehr klares Farbschema im Kopf. Rot, Rosa, Weiß und Blau sollte es sein, sogar die unterschiedlichen Nuancen durften es sein. Nur Gelb wollte ich nicht. Überhaupt gar nicht. Und alles, was damit daher kommt, auch nicht. Wie zum Beispiel Orange.

Jetzt, nach etwa zwei Jahren sieht das komplett anders aus. Zum Einen ist mein Gärtnergemüt viel sanfter gestimmt, zum Anderen macht mein Gärtchen sowieso was es will und die Parzelleninsassen, die schon viel länger an Bord sind als ich, lachen sich halb tot. Da wären im Frühjahr die vielen gelben Tulpen, die tapferer sind als all ihre Kumpels, Spezial-Spezial-Ringelblumen, die statt tiefrot wie auf ihrer Packung gewöhnlich in Orange und Gelb daherkommen, die Topinambur hinter der Hecke, die ihre knallgelben Köpfe natürlich sichtbar darüber legen.

Was ich bei meiner ersten Planung nicht bedacht hatte, war der kleine Umstand, dass mein Läubchen – das natürlich mittendrin steht – ja auch eine Farbe hat. Und die ist Orange. Nicht knallorange, aber orangelich. Das steht ihm ganz gut und soll auch erst mal so bleiben.

Komischerweise erscheint die Parzelle viel friedlicher, wenn es auch mal ab und zu einen orange-gelben Farbtupfer gibt. Deshalb geht die Gärtnerin nun in die Offensive. Und schlägt in ihrer Ansiedlungspolitik ganz neue Töne an. Fördert die bislang verschmähten Farben, deren Träger sich furchtbar harmonisch mit der Laube vereinen.

Die erste Kandidatin ist meine Rose Augusta Luise. Lange bin ich um sie herumgeschlichen und wusste nicht, ob sie nicht doch etwas zu orangelich-gelb daherkommt. Oder vielleicht gesprenkelt – man weißet ja nicht. Um es kurz zu machen: Sie tut es nicht. Im Gegenteil. Ihr Laub ist dunkelgrün und kräftig, die Blüten sind fast 10 cm groß, ihre Farbe die perfekte Ergänzung zur Laube. Dazu verführt sie mich mit einem betörenden Duft, der die gesamte Terrasse erfüllt.

Sie hat mich gezähmt. Und ich hoffe, all die anderen bislang Verschmähten verzeihen mir.

Seht Ihr, was ich meine? Im Hintergrund die Laubenwand.

Im Abblühen wird das Aprikot noch leuchtender und geht ins
Knall-Rosa. Die Blüte ist dann eher flach. 

Diese Farbkombi muss ich noch aufbrechen, der Knall-
Orangene Mohn und der Pinke Fingerhut sollten eigent-
lich gleichzeitig blühen. So ist es etwas quietschig.

Was waren sie schön,  hatten aber nur ein kurzes Leben:
meine heiß geliebten Pfingstrosen

Weiße Akelei im Meer aus Vergissmeinnicht







Kommentare:

  1. Ist das Bild von der Augusta farbrecht? Ich kenne sie von einer Bekannten viel viel heller!

    Ich finde, es soll jeder pflanzen, wie er es denkt, es kommt doch oft ganz anders als geplant. Wenn es einem dann gefällt, läßt man es sitzen oder man macht es wieder weg, je nach Gusto!

    Sigrun

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    1. Liebe Sigrun, ja das Bild ist farbecht! Ich habe nichts daran verändert.

      Genau, die meisten Pflanzen wählen ja ihren Standort selbst - und wachsen dort, wo sie sich selbst ansiedeln auch viel besser als dort, wo die Gärtnerin sie gerne hätte. Oder?

      Viele liebe Grüße, Dagmar

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  2. ja das kenne ich! Da plant frau die perfekt kühle Farbkombination und was ist? roter Klatschmohn taucht auf! oh Schreck und doch sooo schön. :-)
    Diese Überraschungen liebe ich am Gärtnern und die Milde, wie Du sie beschreibst, ja,die tut gut.
    Viele Grüsse von Renate

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  3. Bei solchen Vorhaben der Bloggärtnerinnen, die ich inzwischen kennenlernen durfte, fällt mir immer sofort 'Das Lied von der Unzulänglichkeit des Lebens ein':
    Ja, mach nur einen Plan.....
    allerdings verstehe ich bei 'Augusta' deine Sorge überhaupt nicht, passt sie doch ganz wunderbar in dein Farbschema, vielleicht kein zartes rosa, aber keinesfalls aus dem Rahmen fallend.
    Es lebe der Fauvismus im Garten!
    LG
    Sisah

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  4. Das ist lustig, wir haben auch gelb und orange aus unserem Garten verbannt! Einige Stauden haben sich aber in unserer Parzelle vor uns heimisch gemacht und z.Z. blüht der Mohn orange... Gelbe Narzissen finde ich auch nicht sooo schlimm. Die Neueinkäufe kommen aber nach wie vor aus der lila-blau-pink-weißen Farbfamilie!

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  5. Liebe Dagmar, ja um Augusta bin ich auch schon rum geschlichen, könnte vielleicht noch in den "Herrengarten" ... aber irgendwie kann ich mich nicht durchringen... Mit dem Farbschema, dass kenn ich, allerdings sehe ich das mittlerweile auch nicht mehr ganz so streng, weil ja auch die "warmen" Farben so ihre Vorzüge haben. Was hat eigentlich deine Pfingstrose vom Staudenmarkt so getrieben? Ich freu mich auf dich. Liebe Grüße Annette

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  6. Bei mir dürfen eigentlich von Anfang an alle Farben im Garten wachsen. Meine Blumenbeete sind halt bunt, Farbschema habe ich nie eines eingehalten.

    lg kathrin

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  7. Das mit dem Farbschema habe ich schon im ersten Jahr verworfen, als ich von einer lieben Freundin zum Einzug eine gelb-orange Rose geschenkt bekam. Es war die Moonlight von Kordes. Natürlich hege ich sie seitdem.
    Die Augusta sieht ein bisschen weniger knallig aus als Moonlight.
    VG
    Elke

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