Montag, 25. Juni 2012

Beerenauslese


Was das Ernten angeht, so versuche ich lieber, mich nicht darauf zu freuen. Zumindest wurde ich bislang immer eines Besseren belehrt, wenn ich die übervollen Körbe voll strotzend gesundem Obst oder Gemüse schon sicher in der heimischen Küche wähnte.

Zu oft stand ich mit leerem Korb zwischen von Schnecken zerfressenem Salat oder kratzte die total verwurmten Äpfel von der Wiese, die vor ein paar Tagen noch quietschvergnügt am Baum hingen.

Umso schöner, dass mich mein Gärtchen auch manchmal belohnt. Dieses Jahr zum Beispiel mit einer echten Erdbeerschwemme. Ganze 15 Kilo habe ich von meinen 25 Pflänzchen geerntet. Ich weiß nicht, wie ich es geschafft habe, mir den Amselmann vom Leib zu halten, der eigentlich sehr gerne miterntet. Oder warum der Erdbeerblütenstecher sich lieber die Stockrosen vorgeknöpft hat. Vielleicht will ich es auch gar nicht wissen. Und sage einfach mal DANKE! Für mehrfach dick und rund gegessene Erdbeerbäuche, 16 Gläser Erdbeermarmelade, 2 Liter aufgesetzten Erdbeerschnaps (Thüringerinnen können einfach nicht anders) und auf Wunsch eines einzelnen Herren natürlich eine Abschluss-Erdbeertorte.

Bis auf die altehrwürdige rote Johannisbeere sind alle anderen Beerbüsche noch Babies. Und doch verzücken sie mich mit einer ersten fetten Ernte: schwarze Johannisbeeren, Stachelbeeren, Himbeeren, erste wenige Früchte der Stachelbeere aus dem väterlichen Garten. Und die alte Lady stinkt mit langen roten Trauben gegen die Jugend an.

Da ich in den nächsten Wochen also öfter jeweils eine Handvoll bunter Beeren bekomme und ich meinen Emil bei Laune halten möchte (es steht einfach noch zu viel an!), wird es bald wieder Obsttorte geben. Den perfekten Untergrund bildet ein Biskuitboden, der im Handumdrehen gemacht ist und der sehr nach Kindheit schmeckt.


Obsttorte 5 4 3 2 1

5 gestrichene EL Mehl
4 gestrichene EL Zucker
3 Eier
2 EL Öl
1 Tl Backpulver
1 Päckchen Vanillezucker
1 Prise Salz
Pudding aus ½ Liter Milch
Tortenguss aus ¼ Liter Flüssigkeit (bei mir wird die immer zum Teil aus Hollunderblütensirup bestehen)
Früchte nach Belieben

Eier und Zucker schaumig schlagen, die restlichen Zutaten unterrühren. Den Teig in eine gebutterte und bemehlte Form geben und bei 180 Grad 20 Minuten backen. Nach dem Abkühlen mit noch heißem Pudding bestreichen und mit Früchten belegen. Mit Tortenguss überziehen.


Die alte Lady - ein geerbter Hochstamm
Schwarze Johannisbeere Titania - es wird

Mehltauresistent: Invicta
Sauerkirsche, keine Beere, landet aber
trotzdem auf der Torte
Fand Würmer cooler als Erdbeeren - dieses Jahr
Manchmal darf der Rasen auch einfach mal wachsen




Donnerstag, 21. Juni 2012

Schlupfwespen


Es ist soweit! Meine Familie belächelt mich! Dabei habe ich doch einfach nur einen eingeschweißten Umschlag erhalten. Zugegeben, die Absenderadresse www.schneckenprofi.de ist für Nicht-ganz-so-Gartenbessene vielleicht nicht hundertprozentig vertrauenserweckend. Es hätten schließlich auch Kompostwürmer sein können.

Während also der Umschlag mit Kneifzangengriff und Zweifeln im Blick überreicht wurde, freute sich die Gärtnerin über deren Inhalt: Schlupfwespen der Art Trichogramma cacoeciae. Die Dinger haben nicht nur einen unaussprechlichen Namen, sie sind sogar richtig fies! Sie legen ihre eigenen Eier in die der Apfelwickler. Diese sterben dadurch ab und die Schlupfwespen können schlüpfen.  

„Frieden schaffen ohne Waffen“ ist bekanntlich das Motto in diesem Garten-Jahr. Und so kam mir die Beschreibung bei Schneckenprofi gerade recht: „Ein einzelnes Trichogramma-Weibchen kann in seinem Leben bis zu 120 Schädlingseier parasitieren. Die Schlupfwespen sind nur ca. einen halben Millimeter groß und im Baum selbst mit bloßem Auge nicht auszumachen. Sie sind aber sehr aktive Eiparasiten und können die Eier der Apfel- und Pflaumenwickler erstaunlich gut mit ihrem Riechorgan aufspüren. Der Aktionsradius jeder Schlupfwespe beträgt ca. einen halben Meter.“

Die Schlupfwespenpuppen kommen auf Kärtchen daher (jeweils 2.000 Stück), die dann in den Baum gehängt werden. Insgesamt bekommt man vier Teil-Lieferungen, alle drei bis vier Wochen kommen neue. Nun hängen ganze zehn Kärtchen in meinen vier großen Bäumen. Und jetzt heißt es warten. Warten auf das Werk meiner 80.000 Freunde.





Montag, 11. Juni 2012

Verzaubert


Wir Gärtnerinnen sind schon eine komische Spezies. Planen, hegen und pflegen, vertreiben Eindringlinge aller Art, graben, gießen, jäten – und machen im nächsten Jahr wieder alles neu. Und wofür? Für unser Herz! Das mit jeder Blüte lauter schlägt. Uns in Verzückung versetzt, wenn die erste Rosenknospe aufspringt. Und für die wenigen Momente, in denen wir einfach mal auf der Bank in der Ecke sitzen und nichts tun, als den eigenen Garten zu genießen.

So schön er aber auch sein mag, packt uns doch immer wieder die Neugier auf die Gärten anderer GärtnerInnen. Und so konnte ich am Wochenende gar nicht anders, als die „Tage der offenen Gärten der Lausitz“ zu nutzen und mir endlich Annettes Wandelgarten anzuschauen.

Dass mich ein separater Herren-, ein Paradies und ein Zaubergarten erwarten würden, wusste ich schon aus ihrem Blog. Dass es dort perfekt gestochene Rasenkanten gibt, ebenfalls. Dass das Farbschema alles andere als zufällig ist und mich die Rosen umhauen werden, sowieso.

Wie schön es dort wirklich ist, können die Fotos jedoch kaum wiedergeben. Ihr Garten wirkte auf mich seltsam vertraut und barg gleichzeitig jede Menge Überraschungen! Alles, was ich erwartete, fand ich dort – und noch viel mehr. Die verschiedenen „Abteilungen“ standen jeweils für sich und bildeten dennoch eine wundervolle Einheit. Um die alten Kirsch- und Apfelbäume zog der Duft der Rosen und ihrer Begleiter, viele andere staunende Menschen wandelten umher und waren ähnlich verzaubert wie ich.

Bei jedem Foto musste ich lächeln, hatte ich doch genau die Perspektive, die ich ausgewählt hatte, schon so oft auf Annettes Bildern gesehen. Ich kann deshalb allen Mitlesern nur raten: Fahrt hin! Schaut es Euch an, lasst Euch ebenfalls verzaubern! Der nächste Tag des offenen Gartens kommt zur Dahlienzeit.


Der Zaubergarten

Der Paradiesgarten

Rhabarbermuffins und Holunderblütensirup im Herrengarten - ein Genuss

Schaut doch mal auf die Rasenkanten!



... und noch einmal die Rasenkanten...


Ich weiß jetzt, dass ich nicht mehr ohne Iris kann...

Einen perfekten Abschluss fand der Tag beim gemeinsamen Besuch des Gartens in den Wiesen zu Schorbus, dessen Pforten ebenfalls geöffnet waren. Er hat mich auch schwer beeindruckt, ebenso wie seine Besitzer. Sieht ganz so aus, als habe ich nun feste Gartentermine im Kalender. Viel zu neugierig bin ich auf die Spätsommerfarben.







Annette, ich danke Dir für diesen wundervollen Tag!


Samstag, 9. Juni 2012

Hollerblütensirup



Meine Bloggerfreundin, die Teichrose von Jungfer im Grünen, hatte mich mit ihrem Rezept für Waldmeistersirup verführt. Obwohl ich die Mengen gleich verdoppelt hatte, reichte das köstliche Gebräu gerade mal ein paar Wochen. Aufgegossen mit Sprudelwasser, Prosecco oder wie Emil es am besten fand – unverdünnt mit ein wenig Wodka – in jedem Falle ein Genuss!

Nun stecken meine Waldmeisterbestände noch in den Kinderschuhen. Auch wollte ich sie nicht komplett abernten. Auf Sirup aus dem Garten will ich jedoch nicht mehr verzichten. Also musste ich auf andere Gewächse ausweichen. Ich habe mich für Holunderblüten entschieden.

Ich musste sehr lachen, als ich beim Sammeln der Blüten die gleiche Erfahrung wie Sisah aus dem Garten im Fließtal machte. Denn offenbar hatten vor mir noch viele andere diese Idee. Und ich fand genau wie Sisah Trampelpfade und abgegraste untere Zweige vor. Doch die Holunderbestände der Umgebung konnten der hohen Nachfrage trotzen und ich fand einen noch unberührten Busch.

Ich habe das Waldmeistersiruprezept der Teichrose auf den Holunder adaptiert und die Mengen etwas angepasst. Hier ist es:

4 Liter Wasser mit 2 kg Zucker mischen, zum Kochen bringen und etwa 10 min kochen lassen. Nach kurzer Abkühlung 50 Holunderblüten und zwei in Scheiben geschnittene Bio-Zitronen sowie 2 ebenfalls in Scheiben geschnittene Limetten hinein geben. Das Ganze bei Zimmertemperatur 2 Tage ziehen lassen. Zu guter Letzt die Blüten und die Zitrone entfernen, den Sirup nochmals aufkochen, durch ein Baumwolltuch abseihen und noch heiß in frisch ausgespülte Flaschen geben.


Und nun bin ich gespannt, wie lange der Sirup dieses Mal reicht. Ich werde berichten.





Samstag, 2. Juni 2012

Ein Hoch auf Augusta!


Als ich als Gärtnerin antrat, hatte ich ein sehr klares Farbschema im Kopf. Rot, Rosa, Weiß und Blau sollte es sein, sogar die unterschiedlichen Nuancen durften es sein. Nur Gelb wollte ich nicht. Überhaupt gar nicht. Und alles, was damit daher kommt, auch nicht. Wie zum Beispiel Orange.

Jetzt, nach etwa zwei Jahren sieht das komplett anders aus. Zum Einen ist mein Gärtnergemüt viel sanfter gestimmt, zum Anderen macht mein Gärtchen sowieso was es will und die Parzelleninsassen, die schon viel länger an Bord sind als ich, lachen sich halb tot. Da wären im Frühjahr die vielen gelben Tulpen, die tapferer sind als all ihre Kumpels, Spezial-Spezial-Ringelblumen, die statt tiefrot wie auf ihrer Packung gewöhnlich in Orange und Gelb daherkommen, die Topinambur hinter der Hecke, die ihre knallgelben Köpfe natürlich sichtbar darüber legen.

Was ich bei meiner ersten Planung nicht bedacht hatte, war der kleine Umstand, dass mein Läubchen – das natürlich mittendrin steht – ja auch eine Farbe hat. Und die ist Orange. Nicht knallorange, aber orangelich. Das steht ihm ganz gut und soll auch erst mal so bleiben.

Komischerweise erscheint die Parzelle viel friedlicher, wenn es auch mal ab und zu einen orange-gelben Farbtupfer gibt. Deshalb geht die Gärtnerin nun in die Offensive. Und schlägt in ihrer Ansiedlungspolitik ganz neue Töne an. Fördert die bislang verschmähten Farben, deren Träger sich furchtbar harmonisch mit der Laube vereinen.

Die erste Kandidatin ist meine Rose Augusta Luise. Lange bin ich um sie herumgeschlichen und wusste nicht, ob sie nicht doch etwas zu orangelich-gelb daherkommt. Oder vielleicht gesprenkelt – man weißet ja nicht. Um es kurz zu machen: Sie tut es nicht. Im Gegenteil. Ihr Laub ist dunkelgrün und kräftig, die Blüten sind fast 10 cm groß, ihre Farbe die perfekte Ergänzung zur Laube. Dazu verführt sie mich mit einem betörenden Duft, der die gesamte Terrasse erfüllt.

Sie hat mich gezähmt. Und ich hoffe, all die anderen bislang Verschmähten verzeihen mir.

Seht Ihr, was ich meine? Im Hintergrund die Laubenwand.

Im Abblühen wird das Aprikot noch leuchtender und geht ins
Knall-Rosa. Die Blüte ist dann eher flach. 

Diese Farbkombi muss ich noch aufbrechen, der Knall-
Orangene Mohn und der Pinke Fingerhut sollten eigent-
lich gleichzeitig blühen. So ist es etwas quietschig.

Was waren sie schön,  hatten aber nur ein kurzes Leben:
meine heiß geliebten Pfingstrosen

Weiße Akelei im Meer aus Vergissmeinnicht







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