Sonntag, 27. November 2011

Advent, Advent


Eigentlich bin ich kein Weihnachtsmuffel. Eigentlich. Nur in diesem Jahr fällt es mir ziemlich schwer, mich dem ganzen Adventszauber hinzugeben. Wahrscheinlich will ich einfach nicht wahrhaben, dass mein erstes Gartenjahr nun unwiderruflich vorbei ist und die Parzelleninsassen ihren wohlverdienten Winterschlaf antreten.

Was liegt da näher, als noch mal fix in die Gummistiefel zu krauchen und ein paar Schätze für den Adventskranz zu sichern? Die Hagebutten von Nachbars Heckenrose, die Zieräpfel vom Vereinsplatz, die Mispeln vom riesigen Strauch am Kompostplatz – schnipp schnapp, ab ins Körbchen. Die Samenstände der Jungfer im Grünen, die harten Kapseln vom Mohn, Berberitze und die vertrockneten Triebe des Oregano stammen sogar aus meiner eigenen „Zucht“. So nehme ich mir mein Gärtchen mit nach Hause und wünsche nun allen eine wundervolle Adventszeit!


Sonntag, 20. November 2011

Igelpalazzo und sonstige Winterquartiere

Als ich im letzten Winter über meine Parzelle schlich und versuchte, die Fährten im Schnee zu lesen, fiel mir eine besonders auf. Wie an einer langen Schnur fädelten sich abwechselnd links und rechts Katzenpfoten entlang, allerdings hatte dieses Wesen größere Füße als eine Katze. Am Ende der ach so verzaubernden Spur fand ich dann auch den Beweis, dass es sich hier um ein etwas größeres Kätzchen handeln müsse: Ein Igel, oder besser: das, was von ihm übrig war, lag mit zerfetztem Kleid und Füßen nach oben auf einem Haufen Schnee. Aus seinem Laubhaufen gezerrt! Wer tut bloß so was? Der Fuchs! Dem kann man in unserer Anlage auch am helllichten Tag begegnen, vorzugsweise im Rotkäppchenweg. Meist liegt ihm ein fieses Grinsen  auf den Lippen und über Nacht vergessene Lederschuhe sind am nächsten Morgen unauffindbar – neben Igel morden seine zweite große Leidenschaft...

Damit so was in diesem Jahr nicht passiert, habe ich beschlossen, dem stacheligen Kerl ein Haus zu bauen. Ein richtiges. Eine Burg! Ein Verließ! Hier hatte ich vor einiger Zeit eine Anleitung dafür gefunden. Steine und Platten haben wir mittlerweile zuhauf zutage gebracht – das Vergraben von Gehwegplatten, Fundamentresten und alten Möbeln muss eine heimliche Leidenschaft unserer Vorpächter gewesen sein. Laub gibt’s natürlich umsonst und Stroh hat die Gärtnerin selbstverständlich noch vom Erdbeeren mulchen übrig.

Zwei Reihen Ziegelsteine überandergelegt, eine Öffnung nach Südost (!)

Für warme Füße gab's 'ne Lage Rosenfließ, darüber Laub und Stoh

Als Abschluss die halbierte Marmorplatte eines alten Küchenschranks,
kürzlich ausgegraben und hoffentlich zu schwer für den Fuchs

Obendrauf noch Holzabschnitte, fertig ist die Laube

Allerdings muss ich nun Emil erklären, dass ich seine Marmorplatte, die sonst immer den Kompost beschwert, zweckentfremdet habe. Tja, hart ist das Leben im Garten! 

Die Dahlien dürfen den Winter im heimischen Hausflur verbringen - ich traue den Temperaturen in der Laube einfach nicht. Hier dürfen sie schlafen, bevor sie wieder in die Erde kommen oder in befreundete Gärten umziehen, wie zum Beispiel hierhin.

Langsam wird's ruhig im Bauerngarten

Sonntag, 13. November 2011

Zwiebelkuchen

Langsam wird es ungemütlich unterm Apfelbaum, selbst wenn die Sonne sich noch mal große Mühe gibt. Heute wurde dann auch noch das Wasser abgestellt – für die nächsten vier Monate heißt es also Kaffee aus der Thermoskanne. Frustrierend! Aber auch ein Grund mehr, es sich am heimischen Herd gemütlich zu machen.

Heute gibt’s Zwiebelkuchen, ganz klar thüringisch-amerikanische Fusion-Küche. Denn der Teig ist der Grundstock meines Brotteigs, das „Topping“ aus meiner alten Heimat. Als ich vor mehr als zwei Jahren anfing, selber Brot zu backen, hatte der New Yorker Bäcker Jim Lahey daran ordentlich Schuld. Irgendwie stieß ich im Netz auf ein Video, in dem er einem Journalisten der New York Times das Brotbacken beibringt. Er hat mich damit dermaßen infiziert, dass ich so selbst den Weg zum Brotbacken fand. Heute verwende ich seinen No-Knead-Bread-Teig immer wieder anders – jedes Mal bin ich erstaunt, wie gelingsicher und vielfältig er ist. Am allerbesten schmeckt er mit mediterranem Mehl, das ich hier beziehe, das ganz normale tut es aber auch. 


Da ich sowieso einen Hang zur amerikanischen Küche habe, verwende ich auch meist die amerikanischen Maße, Spoons and Cups. Manche Foodblogger werden jetzt wohl die Augen rollen, ich komme aber wunderbar damit zurecht. Für all die, die es ausprobieren möchten, gebe ich natürlich auch die deutschen Maße an.

Zutaten für den Teig:
3 Cups Weizenmehl (400 g)
1 ¼ TL Salz (8 g)
1 TL Trockenhefe (1 g)
1 1/3 Cups kaltes Wasser (300 g)
bei Verwendung von mediterranem Mehl etwas mehr Wasser zugeben

Zutaten für den Belag:
5 Zwiebeln
200 g magerer, gewürfelter Speck
1 – 2 EL Butter
1 TL zerstoßener Kümmel
200 ml sauere Sahne
2 Eier
½ TL Salz

In einer großen Schüssel das Mehl mit Salz und Trockenhefe mischen. Wasser hinzufügen und solange mit einem Spatel oder Kochlöffel mischen, bis gerade ein glatter Teig entsteht (nicht länger als 30 Sekunden rühren). Das ganze ist etwas klebrig. Die Schüssel mit einem Teller abdecken und bei Zimmertemperatur 12 bis 18 Stunden stehen lassen.

Der Teig nimmt in dieser Zeit deutlich an Volumen zu – die Schüssel sollte deshalb groß genug sein. Er lässt sich aber super vorbereiten, es macht auch gar nichts, wenn er nur 8 – 10 Stunden steht, nach 12 oder gar 18 schmeckt er aber umso besser, da das Mehl langsam fermentiert und so einen sehr guten Geschmack entwickelt.

Eine Arbeitsplatte großzügig mit Mehl bestäuben. Den Teig mit dem Spatel aus der Schüssel lösen, auf die Arbeitsplatte kippen, die Oberfläche mit Mehl bestäuben, flach drücken und auf ein Stück Backpapier heben. Mit einem Tuch bedecken und 1 bis 1,5 Stunden liegen lassen.

Den Backofen auf 250 Grad vorheizen. Am allerbesten gelingt der Zwiebelkuchen auf einem Brot- bzw. Pizzabackstein, dann erhält der Teig die typische Porung. Wer keinen hat, kann ihn aber selbstverständlich auch auf dem Backbleck backen, dann aber möglichst die Temperatur auf 260 Grad erhöhen.

Zwiebeln schälen, halbieren und in Scheiben schneiden. Die Butter schmelzen, die Speckwürfel darin glasig braten, die Zwiebeln hinzufügen und ebenfalls glasig werden lassen. Salz und Kümmel zufügen. Noch heiß auf dem Teig verteilen.

Die Eier mit der saueren Sahne verrühren und darüber verteilen. Auf der untersten Schiene für ca. 25 bis 30 Minuten backen. Kurz abkühlen lassen, in Stücke schneiden, genießen.


Montag, 7. November 2011

Letztes Aufbäumen

Es wird ruhig auf der Parzelle. Langsam aber sicher kommt er, der Abschied. Der Sonnenschein der letzten Wochen versüßt ihn aber gewaltig. Und spornt den einen oder anderen Insassen noch einmal zu Höchstleistungen an. Der Mohn zum Beispiel. Verzückte mich im Frühjahr mit den schönsten Blüten, vergrätzte mich mit hässlichen, ausladenden, toten braunen Blättern im Sommer und will es jetzt noch einmal richtig wissen. Vielleicht hat er ja auch einfach Angst.

Von einem Tag zum anderen werfen die Apfelbäume ihr Laub ab, die Fette Henne kriegt gelbe Blätter und die versessenen Eichhörnchen vergraben Nachbars Wallnüsse unter den Hecken. Die Zugvögel ziehen und die, die hier bleiben, nehmen alles wieder in Besitz. Vorbei die Zeit, in der die eigentlichen Bewohner sich brav uns Sommerbewohnern unterworfen haben. Die Kohlmeisen kämpfen mit der Gärtnerin um den letzten Keks, das Eichelhäher-Paar sitzt laut schimpfend im Kirschbaum und macht ihr ein schlechtes Gewissen. Sie schmunzelt, steigt aus den Gummistiefeln und trollt sich davon.

So richtig traurig ist sie aber nicht, sondern widmet sich einer ihrer anderen Leidenschaften, dem heimischen Herd. Deshalb wird es in Zukunft hier auch das eine oder andere Lieblingsrezept geben. Ist auch ganz praktisch, um Emil bei Laune zuhalten. Schließlich gräbt es ich besser mit vollem Bauch. 

Da ziehen sie

Der gute vor einer Woche, Willen hat er, oder?


Laub, Laub, Laub...
Die Fette Henne wird langsam wieder dünne

Demnächst hier - Zwiebelkuchen 

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