Montag, 10. Oktober 2011

Loblied

Dass ich mich im Frühjahr bei der Auswahl der Samen für eine Kletterzucchini entschieden hatte, hatte seine Gründe. Zu tief saß noch die Erkenntnis aus meinem früheren Leben als Balkongärtnerin, dass alles sowieso viel üppiger wächst als geplant und der Balkon damit Woche um Woche soweit an Raum verliert, dass am Ende gerade noch die Gießkanne Platz hat. Das sollte mir im eigenen Garten natürlich nicht passieren!

Also wanderte ein Tütchen mit der Aufschrift „F1 Hybride, Black Forest, kletternd“ ins Online-Shopping-Körbchen. Sechs Korn für 3,49 Euro. Nicht schlecht, dachte ich: 60 Cent pro Kern, umweltfreundlich ist sie, klettern soll sie – hochhinaus statt in die Breite. Nur was das mit dem Schwarzwald sollte, war mir so nicht klar.

Tapfer ertrug ich Emils anfänglichen Spott, der in Anbetracht des zarten Pflänzchens am Fuße des mörderischen Pfahls, den er auf Wunsch einer einzelnen Gärtnerin dorthin versenkte, durchaus gerechtfertigt war – aus heutiger Sicht natürlich. Nun aber hat sie ihren Zweimeterfünfzigpfahl restlos erklommen und lässt sich auch vom nahenden Herbst nicht beeindrucken. Sie avancierte schnell zum Star der Parzelle und verzückte uns mit vielen wohlschmeckenden Früchten – nach der dreißigsten hörte ich allerdings auf zu zählen. Und beantwortete nur doch die Fragen nach dem „Zucchinibaum“ wahrheitsgemäß mit „1,50 Meter, ... 2 Meter...“
Während nun langsam einige Familienmitglieder die Freude auf gefüllte Zucchini, Zucchini-Kartoffel-Puffer und Zucchini-Zitronen-Spaghetti einstellen, widmet die Gärtnerin dem Bäumlein einen eigenen Post und sagt einfach mal danke an den Schwarzwald!

Und da wir schon mal bei Lobliedern sind: Neulich noch musste ich all meine Tomaten wegen der Braunfäule entfernen. Nur die eigentlich braunfäuleresistente Sorte Philovita durfte bleiben. Sie hatte zwar braune Flecken - aber eben nur da, wo befallene Blätter der anderen Sorte sie berührten. Und so wuchs auch sie als Baum, entwickelte eine echte Krone und ist nun fast auf "Augenhöhe" mit dem Schwarzwald. Schon zu Balkonzeiten war sie meine Lieblingssorte und wird es wohl auch bleiben.



Auch der Sprossen-Broccoli Santee F1 hat entschieden, sich als Baum zu präsentieren, trotzt den weißen Fliegen und spendet nun Woche um Woche neue Röschen.







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