Dienstag, 26. April 2011

Baumblütenfest

Wie sagte Emil so passend: „Werda noch nach Werder fährt, ist selber schuld!“ Recht hat er. Werder musste in diesem Jahr auf uns verzichten. Wir hatten unser eigenes Baumblütenfest. Das erste unter unseren Bäumen!

Aber dass es gleich so dicke kommt: Alle drei Apfelbäume blühten und hatten sich auch noch die Sauerkirsche mit ins Boot geholt. Die sah ja im Herbst eher so aus, als müsse sie die Parzelle vorzeitig verlassen. Deshalb hatte ich mich vor ihr im Halbkreis versammelt und eine kurze Ansprache gehalten. Ich habe sie wohl beeindruckt. Nach Angstschweiß sehen die Blüten jedenfalls nicht aus. Vielleicht möchte sie einfach Teil unseres Projekts sein.

Auch andere Mitbewohner stellen sich vor, doch noch immer kennen wir nicht all ihre Namen. Lange können sie ihre wahre Identität aber nicht mehr geheim halten. Vergissmeinnicht zum Beispiel standen sehr weit oben auf meiner Wunschliste. Der Garten ist voll davon (Danke, Elke!). Pfingstrosen – ganz großes Kino! Sie lassen sich so gerne beim Wachsen zuschauen und bevölkern die Rabatte. Und sogar meine im Herbst selbst versenkten Tulpenzwiebeln sind vollständig angetreten.

Froh zu sein bedarf es wenig!

Vergissmeinnicht unter Frau Unbekannt



Totgeweihte leben länger

Die Sauerkirsche
Tulpensternchen

Sonntag, 17. April 2011

Modell Revolver

Ich nehme es gleich vorweg: Das Projekt, unser Läubchen in seine Zeit zurückzuversetzen, lässt uns keine Wahl. Wir ertragen keine „praktischen Auszieh-Couches“, Vollplastik-Bestuhlung oder Neonröhren-Herbergen. Auch wenn unser Geldbeutel da anderer Meinung ist, uns wird ganz warm ums Herz beim Stöbern im Katalog des Anbieters mit dem wundervollen Claim „Es gibt sie noch, die guten Dinge“.

Was ihr äußeres Erscheinungsbild angeht, so haben ihre Vorbesitzer es nicht geschafft, unserer Laube den Charme von 1961 auszutreiben. Innen sah es da schon anders aus. Baumarktschick, Kirschbaumimitat und Multicolor-Übergardinen an gedrechselten Stangen, die auch noch 20 Zentimeter in den Raum hineinragten, taten ihr wahrscheinlich genauso weh wie uns.

Gestern endlich war es soweit. Emil schnappte sich den Werkzeugkoffer und schraubte ab. Raschelte kurz in der Manufactum-Tüte und schraubte wieder an. Klock-klock – ich bin Dein neuer Bakelit-Schalter. Was für ein Schritt in Richtung 1961!

Und weil praktisch nicht immer gleich hässlich sein muss, gab es die Deckenleuchte Modell Revolver gleich dazu. Eine Glühlampe darf leuchten, acht Reservisten müssen warten, sehen aber so lange gut aus, bis sie gebraucht werden. Die kalifornische Feuerwehr zählt auf sie seit über 100 Jahren – wir mindestens für die nächsten 50.


Sonntag, 3. April 2011

Ausdauer


Dass Amselmänner es mit ihrer Männlichkeit manchmal übertreiben, weiß ich. Bin ja Dachbewohnerin. Und froh, dass immer noch ein paar dieser ollen Antennen auf den Berliner Dächern bleiben dürfen. Wo sonst sollten denn meine Freunde sonst um die Amseldamen buhlen? Dass es manchmal auf dem Balkon kaum möglich ist, sein Gegenüber zu verstehen vor lauter Gesang – umsonst. Hauptsache Frühling!

Heute hatte ich die Idee, mal schnell die Rabatte zu verlängern, das bisschen Umgraben, sind wir doch gewohnt! Anfangs hat er uns ganz leise beäugt aus seinem Baum, der Amselmann. Doch mit dem ersten Spaten Erde aus der Regenwurmschicht stand er Gewehr bei Fuß. Fragend. Fast schon unwirsch. Wie viele kommen noch? Gibt es auch dickere?

Er war so männlich! Hat sich tapfer die Erde vom Leib geschüttelt, die er vor lauter Distanzlosigkeit immer wieder abgekriegt hat. Als Belohnung habe ich fleißig weitergegraben. Er hat mir dann gezeigt, wie man(n) fertig wird mit den widerspenstigen Würmern. Alles eine Frage der Technik. Und der Ausdauer.

Apropos Ausdauer: Danke Emil! Ohne Dich wäre das olle Fundament immer noch unter der Rabatte vergraben!

Aus der Vogelperspektive.



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